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2014

Sounds of Vienna

100 Jahre Franz Hubmann

Mit der Ausstellung SOUNDS OF VIENNA feiert die Leica Galerie Wien einen der Großen der Österreichischen Fotografie: Franz Hubmann, der heuer am 2. Oktober einhundert Jahre alt geworden wäre. Das Fotomuseum WestLicht hatte vor genau zehn Jahren, zum neunzigsten Geburtstag des Fotografen, seine letzte große Wiener Ausstellung zu Lebzeiten ausgerichtet.

Wie kein anderer hat Franz Hubmann, der Zeit seines Lebens mit der Leica fotografierte, es verstanden, den Klang der Straße aufzunehmen, das Wiener Leben mit seinen Caféhäusern, Bohémiens, Fiakern und Tandlern in seinen Bildern einzufangen. In der Ausstellung begegnet man ihnen wieder: dem legendären Oberkellner Ali aus dem Café Hawelka, der mittlerweile mindestens genauso bekannt ist, wie seine literarischen Gäste, dem frierenden Blumenhändler am Stadtpark oder der Frau, die ihren Gummibaum im Kinderwagen durch Döbling spazieren fährt. Hubmanns untrügliches Gespür für den Augenblick brachte ihm den Ehrentitel „Henri Cartier-Bresson Österreichs“ ein, aber natürlich war er ein Meister der Fotografie aus eigenem Recht, der „unbestechliche Chronist des Wesentlichen und vermeintlich Unwesentlichen“, wie André Heller ihn einmal nannte.

Als passionierter Musikliebhaber war nicht nur der Klang der Stadt Hubmanns Metier, auch die internationalen Größen der Musik, die in den Nachkriegsjahrzehnten Wien besuchten, versammelte er vor seiner Kamera: Der Geigenvirtuose Yehudi Menuhin, Pianist Friedrich Gulda bei einem seiner ersten Konzerte in der Hauptstadt, Herbert von Karajan bei den Proben im Goldenen Saal des Wiener Musikvereins. Neben der Klassik waren es die Jazz-Konzerte, die Hubmann in den 1950er und 60er Jahren anzogen. Joachim Lieben brachte mit seiner Agentur die „Jazz at the Philharmonic“-Reihe, kurz JATP genannt, nach Wien, und damit die erste Garde der internationalen Jazz-Szene. In Hubmanns Fotografien überträgt sich die Leidenschaft, der Drive und die Coolness der Auftritte so begnadeter Musiker wie Louis Armstrong, Miles Davis oder Nat King Cole und man kann sich leicht vorstellen, wie der Jazz in die österreichische Tristesse der damaligen Zeit einschlug. Literarisches Pendant zu den Improvisationen der Jazz-Solisten waren die anarchistischen Soireen der Wiener Gruppe um H.C. Artmann, Friedrich Achleitner, Konrad Bayer, Gerhard Rühm und Oswald Wiener. Mit ihren an Dadaismus und Surrealismus geschulten Perfomances forderten sie den konservativen Geist der Nachkriegskultur heraus, und selbstverständlich war Hubmann dabei, um die inzwischen legendären Aufführungen mit seiner Leica zu dokumentieren.

Die Fotografien der Ausstellung stehen zum Verkauf. Preise auf Anfrage.

Aus Anlass des 100. Geburtstags von Franz Hubmann erscheint im Christian Brandstätter Verlag das Buch FRANZ HUBMANN. SOUNDS OF VIENNA mit vielen der in der Ausstellung gezeigten Fotografien und Texten von Karlheinz Roschitz, Christian Brandstätter, Axel Hubmann und Gerald Piffl.

Parallel zur Ausstellung in der Leica Galerie Wien feiert auch die Leica Galerie Salzburg den Doyen der österreichischen Fotografie mit einer Ausstellung.

 

2014

Jacob Aue Sobol

Arrivals and Departures

Vor zwei Jahren brach der dänische Magnum Fotograf Jacob Aue Sobol zu einer Reise auf: Quer über den asiatischen Kontinent, von Moskau über Ulan Bator nach Peking. Arrivals and Departures ist das fotografische Logbuch dieser Reise. Aufgezeichnet mit der Leica M Monochrom erzählt es in dichten Schwarzweißbildern von Sobols Begegnungen mit den Menschen entlang der Transsibirischen Eisenbahnlinie.

Dabei sind die Fotografien nie der flüchtige Bericht eines Durchreisenden, im Gegenteil: Sobols Porträts kennzeichnet eine fast schmerzhafte Intensität, die Intimität der Bilder lässt keinen Betrachter unbeteiligt zurück.

„Ich hatte diese Reise schon immer machen wollen: die legendäre Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn. Dänemark, wo ich herkomme, hat man in fünf Stunden mit dem Zug durchquert, in Russland dagegen sind die Entfernungen gewaltig. Ich war neugierig darauf, wie sich diese Verbindung zwischen Menschen und Orten anfühlen würde, schließlich würde ich auf meinem Weg jeden Baum, jedes Haus und jedes Dorf zwischen hier und Peking passieren. Der erste Schock erwartete mich schon, als ich in den Zug stieg – er war vollkommen leer. Der Plan, Mitreisende zu treffen und Geschichten aus der Enge der Zugabteile zu erzählen, war dahin. Angesichts dieses Geisterzugs musste ein neues Konzept her. Die Nähe musste aus den Begegnungen mit den Menschen entlang der Strecke entstehen, die Gleise waren der rote Faden, der Moskau, Ulan Bator und Peking verband. Im Zug klebte ich letztlich mit der Kamera am Fenster und fotografierte die vorbeiziehende Landschaft, von den russischen Wäldern über die mongolische Wüste durch die Berge nach Peking. Nicht nur Russland, die Mongolei und China waren dabei unbekanntes Gebiet für mich – meine Ausrüstung war es genauso. Zum ersten Mal benutzte ich eine Digitalkamera. Alles war neu, andererseits blieb mein Ziel dasselbe wie zuvor: Die Kamera ist mein Werkzeug, mit ihr stelle ich die Verbindung zu den Menschen her, erzeuge Nähe, Intimität.

Jedes Mal, wenn ich ein neues Projekt beginne, fotografiere ich zuerst in Farbe, aus Angst mich zu wiederholen. Später wird mir dann klar, dass es nie eine rationale Entscheidung ist. Wenn ich keine Beziehung zu den Bildern herstellen kann, wenn ich nicht diesen Stich in der Magengrube fühle, dann bedeuten sie mir nichts, deshalb komme ich dann doch immer wieder zum Schwarzweiß zurück und finde meine Stimme wieder. Die Arbeit in Schwarzweiß war für mich immer der direkteste Weg, existenziellere Fragen anzusprechen. In Schwarzweiß kommt es mir vor, als wären die Bilder nicht an einen bestimmten Ort oder an eine Zeit gebunden – sie schaffen sich ihr eigenes Universum.

Mich hat es nie interessiert, etwas von der anderen Seite der Straße aus zu beobachten, genauso wenig, wie als Fotograf unsichtbar zu bleiben. Ich hoffe, das ist der Grund, warum niemand sich beim Betrachten meiner Bilder als Voyeur fühlt – man ist ein Teil von ihnen. Für mich ist das der Punkt, an dem die Bilder vom bloßen Zeigen zum Sein wechseln, wenn sie keine Geschichte mehr von ‚denen‘ erzählen, sondern von ‚uns‘.“ Jacob Aue Sobol

 

2014

Stefan Kruckenhauser

Parallelschwung

Vom 13. Februar 2014 bis 14. Juni 2014 zeigt die Leica Galerie Wien Fotografien des Schi- und Leica-Pioniers Stefan Kruckenhauser (1905-1988), der mit seiner innovativen Schitechnik in den 1950er Jahren den internationalen Alpinsport revolutionierte.

Nur schwer lässt sich entscheiden, in welcher seiner beiden Rollen – Fotograf oder Schi-Papst – Stefan Kruckenhauser einflussreicher war: Als Bildautor prägte er mit seinen Büchern – insbesondere dem Architekturbildband „Verborgene Schönheit“ – den Stil einer ganzen Generation von Amateurfotografen und trug maßgeblich zur Popularisierung der Kleinbildfotografie in Österreich bei. Die Firma Leitz verlieh ihm schon 1955 die 700.000ste Leica für seine besonderen Leistungen auf dem Gebiet der Fotografie. Als Schilehrer und Bewegungstheoretiker beeinflusste der „Vater des Wedelns“ auch international den Fahrstil von Millionen von Wintersportlern – die amerikanische Zeitschrift Sports Illustrated verglich in den 1960er Jahren Kruckenhausers Beitrag zur Entwicklung des Alpinsports mit dem Freuds zur Psychoanalyse.

Tatsächlich hat Kruckenhauser seine beiden Leidenschaften zumeist so eng geführt wie seine Schier. Schon bei seinen frühen Fotobüchern „Du schöner Winter in Tirol“ und „Das Bergbild mit der Leica“ von 1937 und 1938, die mit spektakulären Alpin- und Schiaufnahmen glänzten, verband er seine Arbeit als Heim- und Kursleiter des Bundesschiheims St. Christoph am Arlberg mit der Fotografie.

Kruckenhausers Fotografien entstanden zumeist in Zusammenhang mit Publikationsprojekten und auch die Arbeiten der Ausstellung entstammen den Entwürfen für drei seiner Bücher. Gezeigt werden Layouts für Einzel- und Doppelseiten, von Kruckenhauser selbst montiert, in denen nicht nur sein fotografisches Können, sondern auch sein Talent als Grafiker aufscheint.

Beim 1956 erschienenen „Österreichischen Schilehrplan“ zeichnete Kruckenhauser sowohl für die bewegungstheoretischen Erläuterungen, als auch für das Buchlayout und die fotografische Illustration verantwortlich. Insbesondere die Bewegungsstudien des Lehrbuchs, montiert aus vergrößerten Einzelbildern einer Filmkamera, kombinieren gestalterische Finesse und pädagogische Anschaulichkeit.

Für den Bildband „Verborgene Schönheit“ durchstreifte Kruckenhauser in der Schneepause der Sommermonate die österreichische Kulturlandschaft und dokumentierte Schätze des heimischen Architekturerbes, von Standards wie dem Stift Melk bis zur ländlichen Hütte in Tirol. Die Fotografien seines Herzensprojekts – „Ich wollte dieses Buch! Ich griff zur Leica!“ – verbinden die oft romantischen Sujets und Schauplätze mit einer sachlichen Bildästhetik.

Im Gegensatz zu den verstreuten Architekturansichten der „Verborgenen Schönheit“ ist der Band „Ein Dorf wird“ von 1952 ein zusammenhängender, narrativer Bildessay, der die Entstehung eines Modelldorfs in Vorarlberg von den ersten Plänen bis zum Einzug der Bewohner begleitet. Der Siedlungsbau wie auch das Buch wurden initiiert von dem Textilindustriellen Fritz Schindler, der einigen seiner langjährigen Angestellten den Baugrund vor den Toren von Bregenz schenkte. In den Fotografien der gemeinsam zupackenden Arbeiter und der lachenden Kinder, die schließlich in die weißverputzten Häuser hinterm Jägerzaun einziehen, verbildlicht sich das Ideal der Wiederaufbaujahre. Kruckenhauser verknüpft die Einzelaufnahmen zu einer eleganten Bilderzählung, die 2004 auch Martin Parr und Gerry Badger bei der Arbeit an ihrer Geschichte des Fotobuchs überzeugte: Als einzige österreichische Publikation wurde „Ein Dorf wird“ in den ersten Band des Standardwerks aufgenommen.

Die Fotografien der Ausstellung stehen zum Verkauf. Preise auf Anfrage.

 

2013

Kay von Aspern

Randnotizen

Die Leica Galerie Wien zeigt ab dem 14. August Arbeiten des Wahl-Wiener Fotografen Kay von Aspern. Von Aspern ist ein Street Photographer im emphatischen Sinne: Die Kamera ist sein ständiger Begleiter.

Seine Fotografien entspringen einer besonderen Sensibilität für die Exotik unseres Alltags. Was für gewöhnlich im Treiben der Städte verloren geht, weil es unterhalb der Schwelle der allgemeinen Aufmerksamkeit liegt, speichert von Aspern mit seiner Leica: große Dramen in Miniatur, skurrile Begegnungen, bedeutungsvolle Blicke. Es sind Momente, in denen der Alltag sich in einer zufälligen Komposition plötzlich verdichtet und über sich selbst hinaushebt, Momente, die von Aspern dem Strom der Zeit entreißt.

Kay von Aspern ist Teil einer vitalen Szene, die sich in den vergangenen Jahren in Wien gebildet und ganz der Street Photography verschrieben hat. Die Fotografen und Fotografinnen greifen damit ein Genre auf, das vor allem seit dem Ende des 19. Jahrhunderts, seit die Entwicklung der Kameratechnik eine gesteigerte Mobilität erlaubte, für einige der bleibenden Bilder und nachhaltigsten Mythen der Fotografiegeschichte verantwortlich ist. Henri Cartier-Bressons „moment décisif“, der entscheidende Moment einer Begebenheit, den es im Foto festzuhalten gilt, die Kamera als Verlängerung des Auges – das sind die Ideen, die das Wesen der Street Photography umreißen. Der Fotograf durchstreift als Flaneur den öffentlichen Raum der Stadt, taucht im Fluss der Passanten unter, bleibt aber immer wachsam für das Besondere im Alltäglichen.

„Es ist, als würde man sich in die Meeresbrandung stellen und die Wellen über sich hereinbrechen lassen“, so haben Joel Meyerowitz und Colin Westerbeck in ihrem Standardwerk Bystander die Street Photography beschrieben. „Du fühlst die Kraft der See. Auf der Straße bringt jede Welle ein vollkommen neues Set an Charakteren mit sich. Du nimmst Welle für Welle auf, du badest darin.“ Kay von Aspern, geboren im norddeutschen Itzehoe, wirft sich seit 2005 in die Brandung der Stadt Wien. Dabei sind es oft die Randzonen offizieller Ereignisse, in denen er fündig wird: das Treiben am Rande von Faschingsumzügen, wartende Parteigänger auf Politveranstaltungen, Passanten am Nationalfeiertag – flüchtige Augenblicke, die erst manifest werden, wenn von Aspern eine Fotografie von ihnen macht und sie im Bild konzentriert. Sein Blick ist stets ein humorvoller, der in den zufälligen Konstellationen unserer Umwelt die leisen Absurditäten sichtbar macht – in grafischem Schwarzweiß wie in Farbe.

Die ausgestellten Arbeiten stammen aus den Jahren 2006 bis 2013, fast ausschließlich sind sie in Wien entstanden. Um der Masse an Bildern, der Kay von Aspern sich täglich aussetzt, auch in der Leica Galerie Rechnung zu tragen, wird er darüber hinaus an jedem Tag der Ausstellung ein Foto machen, das im Leica Store geprintet und an die freie Galeriewand geheftet wird. Gleich einem Blog auf Papier wird hier so ein spontaner Skizzenblock seiner Arbeit entstehen.

 

2013

Inge Morath

Menschen

Die Leica Galerie Wien zeigt vom 7. Mai bis 20. Juli 2013 eine Auswahl von Porträts und Reportagefotografien der aus Graz stammenden Magnum-Fotografin Inge Morath (1923-2002).

Im Laufe ihrer fast 50 Jahre währenden Karriere hat ihre Arbeit als Bildreporterin sie rund um den Globus geführt. Ihr Antrieb waren dabei stets die Begegnungen mit den Menschen. Moraths Reisereportagen beruhen auf einer tiefen Neugierde auf die Kultur der Länder und die Lebensumstände ihrer Bewohner. Ihre Porträts zeugen von einem einfühlsamen Interesse für ihre mitunter namhaften Modelle, Persönlichkeiten aus Kunst und Kultur, die sie mit ihrer Kamera kennenlernte.

Inge Morath kam relativ spät zur Fotografie. Als sie sich 1952 eine gebrauchte Leica kaufte, um ihre ersten eigenen Aufnahmen zu machen, hatte sie schon einige Jahre als Textjournalistin gearbeitet. Mit dem Fotografen Ernst Haas bildete sie im Wien der Nachkriegszeit ein Reporter-Team – er besorgte die Bilder, sie verfasste dazu die Artikel. Robert Capa, der 1947 mit Henri Cartier-Bresson und anderen Fotografen in Paris die Bildagentur Magnum Photos gegründet hatte, wurde auf die Arbeit der beiden aufmerksam und holte sie an die Seine. In den Anfangsjahren bei Magnum arbeitete Morath als Texterin und Bildredakteurin. Bei der Auswertung der Kontaktbögen ihrer Fotografenkollegen und bei der Arbeit mit Cartier-Bresson, dem sie auf Reisen assistierte, schulte sie ihren fotografischen Blick.

Ihre ersten eigenen Fotografien legte sie Capa vorsichtshalber unter falschem Namen vor – erst als sich dieser von den Bildern angetan zeigte, gab Morath sich als deren Urheberin zu erkennen. 1955 wurde sie als Vollmitglied in die Agentur berufen – und war damit eine der ersten Frauen, die Teil des elitären Fotografenzirkels wurden. Ihre ersten Aufträge für Magnum führten Morath nach England und Spanien, wo einige ihrer bekanntesten Bilder entstanden. Schon die frühen Fotografien zeigen ein deutliches Gespür für den entscheidenden Moment einer Szene. Ihre Vorliebe für surrealistisch aufgeladene Bildkompositionen teilte sie mit Cartier-Bresson.

Ende der 1950er Jahre verlagerte sich Moraths Lebensmittelpunkt in die USA, wo sie neben ihren Reportagen zunehmend als Set-Fotografin für Hollywood-Produktionen arbeitete. Bei den Dreharbeiten zu THE MISFITS lernte sie 1960 ihren späteren Ehemann, den US-amerikanischen Dramatiker Arthur Miller kennen. Miller war zum Zeitpunkt des Drehs noch mit der Hauptdarstellerin Marilyn Monroe verheiratet. Morath und Miller heirateten zwei Jahre später und waren im Folgenden nicht nur privat ein Paar, sondern arbeiteten besonders seit den 1970er Jahren an einer Reihe von Projekten zusammen, so etwa an gemeinsamen Büchern ihrer Reisen nach Russland und China.

Die Fotografie, so hat es Inge Morath, die Kosmopolitin, die acht Sprachen fließend beherrschte, einmal beschrieben, sei für sie die universellste aller Sprachen. Auf ihren Reisen konfrontiert mit der Erkenntnis, dass ihre deutsche Muttersprache nach dem Krieg als Sprache des Feindes wahrgenommen wurde, fand sie in der Fotografie ein Ausdrucksmittel, das in der Lage war, die ehemaligen Frontlinien zu überwinden und über Grenzen hinweg von Menschen zu berichten und zu den Menschen zu sprechen.

 

2013

Alfred Weidinger

Könige

Alfred Weidinger verfolgt seit 2009 die Spuren der letzten Könige Afrikas, Erben der mächtigen Reiche, die einst den Kontinent beherrschten.

In ihnen lebt nicht nur eine jahrhundertealte Tradition fort, zum Teil sind die Könige noch heute, obwohl ohne direkte exekutive Gewalt, einflussreiche politische und spirituelle Leitfiguren ihrer Gesellschaft. Gleichzeitig aber sind die Monarchen – ähnlich ihren europäischen Standesgenossen – ein lebendes Paradoxon, Relikte einer vergangenen Epoche in einer modernisierten Welt.
Weidingers Porträtserie, die ihn bislang nach Mali, Burkina Faso, Ghana, Togo, Benin, Nigeria, Kamerun, Tschad, Uganda und Angola geführt hat – weitere Reisen sind geplant –, zeigt die Könige in repräsentativen Posen und vollem zeremoniellen Ornat an von ihnen selbst gewählten Orten. In der Bildkomposition greift Weidinger auf Vorbilder aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert zurück, Studioporträts afrikanischer Monarchen, Häuptlinge und Stammesältester. Diese Fotografien entstanden in Fotoateliers, die zum Ende des 19. Jahrhunderts in Teilen von Afrika boomten und Herrscherporträts als Postkarten und Sammelbilder – auch über den Kontinent hinaus – unter das Volk brachten. In den Atelierporträts traten die Monarchen in all ihrem majestätischen Pomp auf, nichtsdestotrotz war bereits die Tatsache ihrer Ablichtung im Foto Zeichen ihrer schwindenden Bedeutung, ging doch der Siegeszug der Fotografie in Afrika Hand in Hand mit der Unterwerfung des Kontinents unter direkte koloniale Herrschaft.
Weidingers Projekt antwortet auf diese Bildtradition, lässt den Modellen aber deutlich mehr Handlungsspielraum in der Gestaltung ihres eigenen Bildes. Wie ein Ausschnitt aus einer Ahnengalerie dokumentiert die Serie den gegenwärtigen Stand der afrikanischen Monarchie und ist visuelles Zeugnis eines aus europäischer Perspektive immer noch oft übersehenen Teils der afrikanischen Geschichte und dessen Kontinuität in der heutigen Gesellschaft. Über die Traditionslinien hinaus, die den Status der Könige bestimmen, wird in Weidingers konzentrierten Schwarzweiß-Aufnahmen die charismatische Persönlichkeit der einzelnen Individuen als Quelle ihrer fortwährenden sozialen Bedeutung sichtbar.
Alfred Weidinger ist Vizedirektor am Belvedere in Wien. Er studierte von 1985 bis 1998 Kunstgeschichte und Klassische Archäologie an der Universität Salzburg und schloss sein Studium mit einer Dissertation über das Frühwerk des österreichischen Malers Oskar Kokoschka ab. In der Funktion des Kurators für die Kunst der Klassischen Moderne am Belvedere ist er für die Organisation von bedeutenden Ausstellungen im In- und Ausland verantwortlich. Seine Forschungsschwerpunkte sind bildende und angewandte Kunst sowie Fotografie des 19. und 20. Jahrhunderts. Seit 1980 bereist er als freier Dokumentarfotograf Afrika. Für sein jüngstes Projekt, für das er mit der Leica M Monochrom in Kombination mit dem lichtstärksten Objektiv, dem Noctilux 0,95 50 mm, arbeitet, hat er dort bislang 118 Könige porträtiert.

 

2013

Robert Capa

China 1938

Die zweite Ausstellung in der neuen Leica Galerie Wien bietet einen konzentrierten Einblick in einen bedeutenden Abschnitt der Weltgeschichte aus der Sicht der Magnum-Legende Robert Capa (1913-1954).

Die Exponate dokumentieren die erste Zeit der Invasion Japans in China. Der verlustreiche militärische Konflikt hatte im Juli 1937 als Zweiter Japanisch-Chinesischer Krieg begonnen und endete 1945 als Teil des Zweiten Weltkrieges. Gezeigt werden rund 30 Fotografien von Robert Capa, eine filmische Dokumentation sowie Publikationen aus der Entstehungszeit. Ausführliche Textkommentare erläutern die historischen und politischen Hintergründe.

Capa erreichte am 16. Februar 1938 mit dem Schiff Hong-Kong. Sein sieben Monate dauernder Chinaaufenthalt umspannte jene Phase des Krieges unmittelbar nach dem Massaker von Nanking, als die Stadt Hankou vorübergehend Sitz der Regierung war. In dieser zentralchinesischen Stadt am Zusammenfluss des Jangtsekiang und des Han-Flusses (heute Teil der Metropole Wuhan) dokumentierte Capa die Propaganda der chinesischen Nationalpartei Kuomintang, Truppenübungen und verschiedene Luftangriffe der Japaner. Bei der Schlacht von Taierzhuang konnte er die entscheidenden Abwehrkämpfe aus nächster Nähe aufnehmen; ebenso die Flutung weiter Gebiete um den Gelben Fluss, mit der man die Japaner aufzuhalten versuchte sowie die katastrophalen Zerstörungen nach den massiven Luftangriffen der Japaner in der zweiten Jahreshälfte 1938.

Der erst 25-jährige aus Ungarn stammende, spätere Magnum-Mitgründer Robert Capa galt zu dieser Zeit bereits als bedeutender Kriegsreporter. Kurz zuvor war ihm mit dem berühmten Bild eines fallenden Soldaten im Spanischen Bürgerkrieg eine fotografische Ikone des 20. Jahrhunderts gelungen. In China arbeitete Capa im Auftrag der Zeitschrift LIFE sowie als Kamera-Assistent für den Niederländer Joris Ivens, der mit John Fernhout die Filmdoku „The 400 Million“ drehte. Nachdem Capa die verheerenden Zerstörungen in der Stadt Hankou aufgenommen hatte, verließ er im September 1938 den Schauplatz, um seine Reportagen in Spanien fortzusetzen.

Kuratiert von Rebekka Reuter und Marie Röbl

 

2012

Gregor Schlierenzauer

Stille Momente

"Fotografieren ist schon seit geraumer Zeit eine große Leidenschaft des österreichischen Spitzensportlers Gregor Schlierenzauer, dem jetzt schon zweit-erfolgreichsten Skispringer aller Zeiten. „Schlieri“ fotografiert mit seiner Leica M9 und repräsentiert eine junge Generation, die ohne Mobiltelefone leidenschaftlich fotografiert.

Vor allem auf Reisen findet er seine Motive. Leichtigkeit und Spontanität, aber auch Ernsthaftigkeit und Sensibilität kennzeichnen seine Arbeiten. „In meinen jungen Jahren habe ich bereits viel von der Welt sehen dürfen. Deshalb sehe ich auch viele Dinge anders. Seit ich fotografiere gehe ich offener durchs Leben und schaue bewusster hin. Ich suche die stillen Momente in meinem Leben, genieße sie und nehme sie mit“, sagt Gregor Schlierenzauer. Gregor hat als junges Fotografentalent in den letzten Jahren eine enorme Entwicklung genommen. Das ist der Grund ihn in den Leica-Talentpool aufzunehmen und von Leica gefördert zu werden. Gregor Schlierenzauer ist seit September dieses Jahres erster Preisträger des Leica Mentoring Programms, mit dem das Unternehmen junge Fotografen unterstützen möchte."

"Ich komme viel herum, bin neugierig und schaue ganz bewusst hin. Diese Kombination, der Rückenwind von Red Bull Creative und die inspirative Schützenhilfe von Sven Hoffmann haben mich vor Jahren zu einer Einweg-Kamera greifen und spontane Augenblicke einfangen lassen. Ohne wirklichen Plan, Hauptsache aus der Hüfte heraus. Schon bald wuchs die Leidenschaft mit dem Hang für technische Innovationen und dem Interesse an Sichtweisen anderer um die Wette. Heute habe ich das Glück und Privileg, von den Besten zu lernen und die Dinge durch kreierte Perfektion zu betrachten. Die Zusammenarbeit mit Leica eröffnet mir einen sehr persönlichen Zugang zu Mensch und zur Marke und völlig neue Blickwinkel. Diese ungeahnten Möglichkeiten erfüllen mich mit sehr viel Stolz, einer großen Verbundenheit und einer noch größeren Dankbarkeit. Ich hoffe, meinen Teil dazu beitragen zu können, dass die Partnerschaft von langfristiger Dauer ist und das Ergebnis den Betrachter bindet."

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